Studium und Gebet

Oktober 12, 2007 von Alex

Was ist mehr wert: Das einfache Gebet, die naive Frömmigkeit, “einfach” glauben? Oder das Studieren, das theologische Lernen, das Sich-Auskennen in der Bibel?

“Rabbi Elieser lehrte, das Gebet übertrifft die guten Werke.” (Berachoth, Talmud)

An anderer Stelle heißt es in der jüdischen Überlieferung allerdings:

“Das sind die Dinge, von welchen der Mensch die Früchte (schon) in dieser Welt genießt, aber der Grundbestand bleibt ihm für die kommende Welt. Und das sind sie: Elternehrung, Wohltätigkeit, Besuch des Lehrhauses morgens und abends, Gastfreundschaft, Krankenbesuch, Ausstattung von armen Bräuten, Totengeleit, Aufmerksamkeit beim Gebet, Friede stiften zwischen den Menschen – aber das Lernen der Thora wiegt alles andere auf.”

Gebet oder Studium? Ben-Chorin stellt fest, dass es zwischen der Betonung des Gebets bei Rabbi Elieser und der Hochschätzung des Schriftstudiums in der Mischna keinen wesentlichen Unterschied gibt: “Denn Gebet und Studium gehen im Judentum doch so stark ineinander über, daß sie kaum voneinander zu trennen sind.”

Studium wird als Gebet verstanden und Gebet als Studium. In beidem geht es um die Erkenntnis Gottes und die Transformation des Menschen. Deshalb ist das jüdische Schriftstudium immer in den Kontext des Gebets eingebettet: Weil es selbst als Gebet verstanden wird; und weil es, wie das Gebet, die transformierende Wirkung des Lernens und Studierens erwartet, erhofft und erstrebt. Beides gehört untrennbar zusammen (ein Wunsch, aus dem übrigens sich auch der Name diese Blogs ableitet).

Vor dem Hintergrund der verschiedenen Begabungen und Zugangswege des Glaubens ließe sich vielleicht noch hinzufügen: Man muss kein Gelehrter des Wortes sein, um zu beten. Aber man kann kein Gelehrter des Wortes sein, ohne zu beten.

Ben-Chorin: Betendes Judentum

Oktober 11, 2007 von Alex

Ich möchte demnächst mit ein paar kleinen Blogposts auf ein interessantes kleines Büchlein mit dem Titel “Betendes Judentum” hinweisen. Es ging aus einer Vorlesung des jüdischen Theologen Schalom Ben-Chorin hervor, der auch in Tübingen lehrte und der vor allem für Christen über den jüdischen Glauben geschrieben hat. Das Buch ist Teil einer Trilogie über das Judentum. Der erste Teil beschäftigt sich mit den Glaubensinhalten des Judentums (“Jüdischer Glaube”), der zweite mit dem Gesetz (“Die Tafeln des Bundes”) und dieser dritte Teil mit dem Gebet.
Die Texte sind sehr gut lesbar, nicht hochwissenschaftlich gehalten, aber doch mit echter Substanz. Es geht weniger um eine religionswissenschaftliche Analyse des Judentums als vielmehr darum, einen Eindruck davon zu bekommen, wie jüdischer Glaube (in all seinen unterschiedlichen Facetten) gelebt wird. Es wird von Ritualen und ihren Bedeutungen erzählt, von liturgischen Gebeten und überhaupt davon, wie sich jüdischer Glaube so anfühlt. Vieles davon finde ich sehr inspirierend für das eigene Glaubensleben und werde deshalb ein paar Gedanken daraus posten.

Fair-Käufer

Oktober 8, 2007 von Alex

images.jpegGestern war Daniel Ehniß bei uns im Gottesdienst zu Besuch, mit dem spannenden Thema “Fair Trade – Lichtig einkaufen”. Runterladen kann man die Predigt hier. Sehr gut hat mir gefallen, dass Daniel die Frage nach unserem Einkaufsverhalten mit der Frage nach unserem Verhältnis zu Dingen und Besitz verknüpft hat. Besonders ein Gedanke ist mir hängen geblieben: Zu lernen, hinter den Produkten die wir kaufen, die Menschen zu sehen, die am Prozess vom Acker bis zu meinem Küchentisch beteiligt sind – und dass das auch die Kassiererin im Supermarkt einschließt. Wie begegne ich ihr, wenn ich meinen Kaffee bezahle?
Vielen Dank an Daniel also und die Empfehlung unseres Podcast-Downloads.

Free Burma!

Oktober 4, 2007 von Alex


Free Burma!

Habe länger hin- und herüberlegt, ob ich auch etwas dazu poste. Ein SPIEGEL-Artikel hat meine Überlegungen zügig beendet: “Sie kommen nachts und ermorden die Mönche.” Zum Thema: Peter Aschoff “Heute bin ich Buddhist”, Hufi “Free-Burma-Aktionstag”.

Schaukampf: Keith Jarrett gegen Klavier

September 22, 2007 von Alex

Folgender Clip zeigt einen der legendären Kämpfe des Jazzmusikers Keith Jarrett mit einem Steinway-Flügel. Man ist sich lange nicht sicher, wer am Schluss als Sieger vom Platz geht. Sieht manchmal komisch aus, hört sich aber faszinierend an.

So, wie er sich am Klavier benimmt, kann ich mir übrigens gut vorstellen, dass er als Kind auch nicht gerade zu den Coolen in der Klasse gehört hat (siehe Peter). Aber wer sich den Anfangsapplaus anhört, ahnt, wie viel in Außenseitern stecken kann… Und nein, deine Lautsprecher sind nicht kaputt, Keith Jarrett summt tatsächlich beim Spielen.

Nichts für sanfte Gemüter…

September 21, 2007 von Alex

Im Umkreis der aktuellen Diskussion um die Äußerungen des Kölner Kardinals Meissner zur “entarteten Kunst” hat Achim ein übles Heavy-Metal-Cover ausgestellt. In einer kleinen Spontan-Vernissage soll deshalb auch hier ein Stück fragwürdiger Albumkunst dargeboten werden. Es handelt sich um das Plattencover einer zugegeben wenig bekannten Musik-Gruppe – angesichts des Frontmotivs durchaus verständlich. Treue Anhänger der CityChurch Würzburg sollten sich besonders gut überlegen, ob sie sich das hier tatsächlich ansehen wollen: Bild.

Standby: Vergnügen

September 15, 2007 von Alex

Wenn man sich eine Weile mit geistlichen Disziplinen beschäftigt, merkt man irgendwann: Krass, wie sehr ich von der Grundannahme gesteuert bin, dass mein Leben “Spaß machen” muss. Bei der Arbeit: Spaß. Nach der Arbeit: Spaß. In der Gemeinde: Spaß. Zum Abschied: Viel Spaß!

Deshalb sind die sog. “asketischen” Disziplinen wie Fasten (von Essen, Filmen, Internet), Schweigen und Einsamkeit in einem reizüberfluteten Alltag vielleicht ein erster Schritt, um sich klar zu machen, was eigentlich “normal” ist. Hört sich aufs erste miesepetrig an, ist aber wahrscheinlich der sicherste Weg zu echtem Genuss.

Sehr schön sagt’s auch der crazy Philosoph Slavoj Zizek, den ich bei Tobi Künkler kennen gelernt habe:

P.S.: Ach, sehe gerade, dass Tobi dieses Zizek-Interview bei sich auch erwähnt hat. Anyway: hier isses.

Jazz TopTen Nr. 2: Miles Davis, Kind Of Blue

September 13, 2007 von Alex
kindofblue.jpg

Auf Platz zwei meiner ewigen Jazz TopTen für 2007 landet Miles Davis Kind Of Blue. A kind of Überraschung ist daran höchstens, dass die Platte nicht auf Platz 1 gelandet ist, wie in fast allen anderen DiebestenJazzAlbendesMilleniums-Rankings. Das liegt natürlich daran, dass ich mich durch Unangepasstheit profilieren will. Und dass mir mein Platz 1, der hier demnächst angepriesen wird, noch ein bisschen besser gefällt. Das Tolle an Kind Of Blue aber ist:

  • Die Platte hat keine Filler, also nur Hammerstücke.
  • Wenn man schon ein bisschen Jazz gewöhnt ist, gefällt die Platte auf Anhieb, dann aber trotzdem immer wieder und wieder.
  • Wenn man noch keinen Jazz gewöhnt ist, wie ich als ich sie gekauft habe, braucht’s ein bisschen. Trotzdem vereint die Platte auf erstaunliche Weise die Eigenschaften, für ihre Zeit sehr innovativ, für immer eine der besten Jazz-Platten und für den Neuling der perfekte Einstieg in den Jazz zu sein.
  • Die vielleicht beste Jazz-CD von immer kostet nicht mehr als 7,77 EUR.

Revolution!

September 4, 2007 von Alex

Seit Sonntag läuft in der CityChurch die neue Preidgtreihe “Konspiration”, die sich inhaltlich an das Buch “Die geheime Botschaft von Jesus” von Brian McLaren anlehnt. Achim hat in einem sehr guten Post zusammengefasst, worum es im ersten Teil geht.

Toby Faix bloggt gerade, sehr passend, über drei neuere Jesus-Bücher: Klaus Berger, Papst Benedikt und eben Brian McLaren.

Gestern habe ich mir hier in der Bibliothek mal Moltmanns “Theologie der Hoffnung” aus dem Regal gezogen – und es 20 Minuten später gleich bei amazon Marketplace bestellt. Superspannend, er denkt – so scheint’s mir – auf systematischer Ebene in eine ganz ähnliche Richtung wie N.T. Wright und McLaren. Und dabei ist das Buch schon 40 Jahre alt – bin fast sicher, dass Wright & Co. seine Gedanken direkt oder indirekt seeehr gut kennen. Hat irgendjemand schon dieses oder ein anderes Buch von Moltmann gelesen? Bin noch ganz begeistert davon und freue mich darauf, wenn ich Zeit habe, mir das Teil mal reinzuziehen. Habe den Eindruck, Moltmann könnte sehr interessante (und zur Abwechslung mal ‘deutsche’) Inspirationen für die emergente Diskussion in D bieten… Werde demnächst vielleicht mal was daraus bringen.

emerging in der CityChurch Würzburg

August 20, 2007 von Alex

Nachtrag: Kurz vor dem Ende unserer alljährlichen August-Sommerpause gab es im Juli noch ein echtes Highlight: Den ersten Versuch eines emerging / alternative worship in der CityChurch. Ich selbst war mal ganz Gast, aber umso begeisterter, was das emerging-Team so auf die Beine gestellt hat. Ein paar Bilder gibt’s unten, wenn man klickt.

P.S.: Falls ein Kubiker hier vorbeischaut – einiges auf den Fotos dürfte euch bekannt vorkommen. Das Team hat sich von euch inspirieren lassen, danke. :)

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